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Cushing beim Pferd

Symptome erkennen und richtig füttern

Das Fell wird lang und lockig und geht im Sommer nicht richtig ab. Der Rücken wirkt schmaler, obwohl sich an der Fütterung nichts geändert hat. Und der Wassereimer ist plötzlich schneller leer als sonst.

Wenn dir das bei deinem Pferd bekannt vorkommt, kann Cushing dahinterstecken. Dieser Artikel erklärt, woran du die Erkrankung erkennst, was bei der Fütterung wirklich zählt, und warum die pauschale Antwort "zuckerarm" zu kurz greift. Wichtig vorweg: Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Er hilft dir, Anzeichen einzuordnen und das Gespräch mit deinem Tierarzt vorzubereiten.

Braunes Pferd frisst Gras auf einer Weide

Weidegang bei Cushing: Menge und Uhrzeit entscheiden mit über die Zuckeraufnahme.

Was ist Cushing eigentlich?

Der Name Cushing hat sich eingebürgert, fachlich korrekt heißt die Erkrankung PPID, also Pituitary Pars Intermedia Dysfunction. Dahinter steckt eine Fehlfunktion der Hirnanhangsdrüse. Sie schüttet vermehrt das Hormon ACTH aus, was wiederum die Nebennieren dazu bringt, dauerhaft zu viel Cortisol zu produzieren. Cortisol ist ein Stresshormon, das im ganzen Körper wirkt, und genau deshalb sind die Folgen so vielfältig.

PPID ist die häufigste Hormonerkrankung älterer Pferde. Das Universitäre Tierspital Zürich gibt an, dass etwa 15 Prozent der Pferde über 15 Jahren betroffen sind, andere Fachquellen nennen bis zu 20 Prozent. Mit steigendem Alter nimmt der Anteil weiter zu.

Die Erkrankung ist nicht heilbar. Sie ist aber gut behandelbar, und mit der richtigen Kombination aus Medikation, Fütterung und Management können betroffene Pferde noch viele gute Jahre haben.

Typische Anzeichen

Die bekannteste Auffälligkeit ist das Fell. Betroffene Pferde bilden ein langes, oft lockiges Fell und verlieren das Winterfell verspätet oder gar nicht vollständig. Daneben gibt es weitere Anzeichen:

  • Muskelabbau, besonders über dem Rücken, bei gleichzeitig dickerem Bauch
  • Vermehrtes Trinken und häufigeres Urinieren
  • Ungewöhnliche Fetteinlagerungen, etwa über den Augen, am Mähnenkamm oder am Schweifansatz
  • Vermehrte Infektanfälligkeit und schlechter heilende Wunden
  • Wiederkehrende Hufrehe

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Hufrehe ist die gefürchtetste Folge von PPID, und sie ist der eigentliche Grund, warum eine frühe Diagnose und eine angepasste Fütterung so entscheidend sind.

Wie wird Cushing festgestellt?

Der Verdacht ergibt sich meist aus den Symptomen, die Bestätigung kommt aus dem Blut. Gemessen wird in der Regel der basale ACTH-Wert.

Zwei Dinge sind dabei wichtig zu wissen. Erstens schwankt der ACTH-Wert im Jahresverlauf. Im Spätsommer und Frühherbst steigt er auch bei gesunden Pferden an, weshalb der Tierarzt diese saisonale Schwankung bei der Beurteilung berücksichtigt. Zweitens ist ACTH in der Blutprobe instabil, die Probe muss also zügig aufbereitet und ins Labor gebracht werden, sonst können falsch niedrige Werte herauskommen.

Weil PPID chronisch verläuft und sich langsam entwickelt, ist die Beobachtung über einen längeren Zeitraum für die Einschätzung oft aufschlussreicher als eine einzelne Momentaufnahme.

Nicht jedes Cushing-Pferd braucht dieselbe Fütterung

Hier liegt das häufigste Missverständnis. In vielen Ratgebern steht pauschal, Cushing-Pferde müssten streng zucker- und stärkearm gefüttert werden. Das stimmt so nicht für jedes Pferd.

Entscheidend ist, ob zusätzlich eine Insulin-Dysregulation vorliegt, also eine Störung im Zucker- und Insulinstoffwechsel. Viele Pferde mit PPID entwickeln eine solche Störung, aber eben nicht alle. Die internationale Equine Endocrinology Group, deren Leitlinien Tierärzte als Referenz nutzen, unterscheidet hier klar.

Ein Pferd mit PPID, gutem Ernährungszustand und ohne Hinweise auf Insulinprobleme kann im Wesentlichen wie ein normales Pferd gefüttert werden, mit dem Ziel, einen guten Ernährungszustand zu halten.

Liegt dagegen eine Insulin-Dysregulation vor, wird die Kohlenhydratbegrenzung zum zentralen Punkt der Behandlung, denn dann steigt das Hufreherisiko deutlich.

Deshalb gehört zur Diagnostik auch die Frage nach dem Insulinstatus. Sprich deinen Tierarzt gezielt darauf an, denn davon hängt ab, wie streng die Fütterung sein muss.

Worauf es bei der Fütterung ankommt

Wenn eine Insulin-Dysregulation vorliegt, gelten diese Grundsätze:

  • Raufutter bildet die Basis. Die Ration sollte überwiegend aus Heu bestehen, ergänzt nur so weit nötig, um den Ernährungszustand zu halten.
  • Der Gehalt an nicht-strukturellen Kohlenhydraten, also Zucker und Stärke zusammen, sollte in der Gesamtration 10 Prozent der Trockenmasse nicht überschreiten. Dieser Wert findet sich übereinstimmend in den veterinärmedizinischen Empfehlungen.
  • Getreide und melassehaltige Futtermittel sind zu meiden, sie treiben den Blutzucker und damit die Insulinausschüttung nach oben.
  • Muss das Pferd zunehmen, kommen die zusätzlichen Kalorien am sichersten aus Fett und Faser, nicht aus Stärke.
  • Kleine, über den Tag verteilte Portionen führen zu geringeren Ausschlägen bei Insulin und Blutzucker als wenige große Mahlzeiten.
  • Der Weidegang braucht besondere Aufmerksamkeit. Der Zuckergehalt im Gras schwankt stark, im Frühjahr und Herbst ist er besonders hoch.

Ein Punkt, der oft untergeht: Der Zuckergehalt von Heu lässt sich nicht schätzen. Zwei optisch identische Heupartien können sich deutlich unterscheiden. Wer es genau wissen will, kommt um eine Futtermittelanalyse nicht herum.

Und ein ehrliches Wort zu Ergänzungsfuttermitteln: Für viele Kräuter- und Zusatzmischungen, die im Zusammenhang mit Cushing beworben werden, fehlen belastbare Wirksamkeitsnachweise. Sie ersetzen keine tierärztliche Therapie. Sprich vor der Gabe mit deinem Tierarzt.

Der Alltag entscheidet, nicht die einzelne Entscheidung

Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Diagnose. Plötzlich muss man bei jedem Sack Futter auf die Zusammensetzung schauen, Zucker- und Stärkewerte vergleichen und im Blick behalten, was sich über die Wochen am Pferd verändert.

Dabei beeinflussen alle Bestandteile der Ration die Insulinantwort, auch solche, die man nicht sofort im Verdacht hat. Das Lesen und Einordnen von Etiketten wird damit zur täglichen Aufgabe.

Genau hier setzt EquiDiary an. Der Futter-Scanner liest das Etikett eines Futtermittels und ordnet die Werte ein, abgestimmt auf die Erkrankungen, die du im Profil deines Pferdes hinterlegt hast. Ist bei deinem Pferd Cushing eingetragen, weist dich die App auf kritische Zuckergehalte und auf melassehaltige Zutaten hin.

Genauso wichtig ist der Verlauf. Weil PPID chronisch ist und sich Symptome langsam verändern, hilft eine durchgehende Dokumentation dabei, Entwicklungen zu erkennen, die im Alltag untergehen. In EquiDiary kannst du Beobachtungen wie Fellveränderungen, Trinkverhalten oder Muskelabbau festhalten, auf Wunsch per Spracheingabe direkt am Pferd, und Gewicht und weitere Werte über die Zeit verfolgen. Beim nächsten Tierarztbesuch hast du damit nicht nur einen Eindruck, sondern einen belegbaren Verlauf.

Gerade bei einem Pferd mit dauerhaftem Behandlungsbedarf lohnt sich auch der Blick auf die laufenden Kosten. Was ein Pferd im Monat wirklich kostet, haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschlüsselt.

Zusammenfassung

Cushing, fachlich PPID, ist die häufigste Hormonerkrankung älterer Pferde. Typische Anzeichen sind ein langes, lockiges Fell, Muskelabbau, vermehrtes Trinken und wiederkehrende Hufrehe. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber gut behandelbar.

Bei der Fütterung kommt es darauf an, ob zusätzlich eine Insulin-Dysregulation vorliegt. Ist das der Fall, sind Zucker und Stärke konsequent zu begrenzen, mit Raufutter als Basis. Ohne Insulinprobleme kann die Fütterung deutlich freier gestaltet werden.

Die wichtigsten Schritte: Verdacht früh tierärztlich abklären lassen, den Insulinstatus mit erfassen, die Fütterung individuell anpassen und Veränderungen über die Zeit dokumentieren.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die konkrete Ration für dein Pferd gehört in die Hand deines Tierarztes oder einer qualifizierten Fütterungsberatung. Bei Krankheitszeichen wende dich bitte an deinen Tierarzt.

Quellen (Stand Juli 2026): Universitäres Tierspital Zürich (PPID / Equines Cushing-Syndrom); Equine Endocrinology Group, Recommendations on Equine Metabolic Syndrome und PPID; Merck Veterinary Manual (Equine Metabolic Syndrome); Today's Veterinary Practice, Nutritional Management of Equine Insulin Dysregulation.

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