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Impfkalender fürs Pferd

Welche Impfungen wirklich wichtig sind und was sich verändert hat

Wichtiger Hinweis: Welche Impfungen für dein Pferd sinnvoll sind, hängt von Alter, Haltung, Region und Nutzung ab. Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick auf Basis der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin. Die konkrete Impfentscheidung triffst du immer gemeinsam mit deinem Tierarzt.

Impfen beim Pferd wirkt auf den ersten Blick einfach, ist aber ein Thema, bei dem sich in den letzten Jahren einiges bewegt hat. Neue Turnierregeln, ein sich ausbreitendes Virus im eigenen Land und immer wieder Meldungen über neu auftauchende Erreger verunsichern viele Pferdebesitzer. Dieser Artikel gibt dir einen ruhigen, sachlichen Überblick, welche Impfungen wirklich wichtig sind, in welchen Abständen sie anstehen und was sich verändert hat.

Gesundes braunes Pferd steht angebunden auf dem Stallhof

Ein gut gepflegtes, gesundes Pferd: Regelmäßige Impfungen sind ein wichtiger Teil der Vorsorge.

Die kurze Antwort

Für jedes Pferd empfohlen sind die drei Core-Impfungen: Tetanus, Influenza und Herpes. Tetanus wird alle zwei bis drei Jahre aufgefrischt. Bei Influenza reicht für Freizeitpferde oft eine jährliche Impfung, für Turnierpferde gelten kürzere Pflichtintervalle. Herpes wird von der StIKo Vet für alle Pferde empfohlen, in der Praxis aber vor allem dort geimpft, wo viel Pferdekontakt herrscht. Dazu kommt je nach Region die Impfung gegen das West-Nil-Virus, die in vielen Teilen Deutschlands inzwischen dringend empfohlen wird.

Core und Non-Core, was der Unterschied ist

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin, kurz StIKo Vet, am Friedrich-Loeffler-Institut teilt die Impfungen in zwei Gruppen ein. Core-Impfungen sind die, gegen die jedes Pferd zu jeder Zeit geschützt sein soll, weil die Erreger schwere, oft tödliche Erkrankungen auslösen können. Non-Core-Impfungen richten sich nach Risiko, Region, Haltung und Nutzung des einzelnen Pferds.

Diese Einteilung ist hilfreich, weil sie Orientierung gibt: Die Core-Impfungen sind für alle sinnvoll, bei den Non-Core-Impfungen entscheidet die konkrete Situation.

Die drei Core-Impfungen

Tetanus ist die wichtigste Impfung überhaupt. Pferde sind extrem empfänglich für den Erreger und können sich schon über kleinste Wunden infizieren, häufig mit tödlichem Ausgang. Die Impfung ist so grundlegend, dass ihr Unterlassen als Verstoß gegen den Tierschutz gewertet wird. Nachgeimpft wird in der Regel alle zwei bis drei Jahre.

Influenza, also die Pferdegrippe, ist hochansteckend und verbreitet sich schnell, wo viele Pferde zusammenkommen. Wie oft nachgeimpft wird, hängt von der Nutzung ab. Für Freizeitpferde mit wenig Kontakt zu fremden Pferden reicht oft eine jährliche Impfung. Für Turnierpferde gelten dagegen strengere Vorgaben, dazu gleich mehr.

Herpes, genauer das Equine Herpesvirus, kann Atemwegserkrankungen, Aborte bei tragenden Stuten und in schweren Fällen neurologische Ausfälle verursachen. Die StIKo Vet zählt Herpes zu den Core-Impfungen und empfiehlt sie für jedes Pferd. In der Praxis wird aber längst nicht jedes Freizeitpferd gegen Herpes geimpft, denn anders als bei Tetanus schützt die Impfung weniger das einzelne Pferd als den ganzen Bestand: Geimpfte Pferde scheiden bei einer Infektion weniger Viren aus und stecken so andere seltener an. Gerade in Ställen mit wechselndem Pferdekontakt ist die Impfung deshalb sinnvoll. Ob sie für dein Pferd passt, besprichst du mit dem Tierarzt.

Für alle drei gilt: Am Anfang steht eine Grundimmunisierung aus mehreren Einzelimpfungen, danach folgen die Auffrischungen im genannten Rhythmus. Beim klassischen Fohlenschema sind das drei Impfungen über die ersten Lebensmonate verteilt. Wird ein älteres Pferd dagegen zum ersten Mal geimpft, genügen oft zwei Impfungen im Abstand einiger Wochen. Wie die Grundimmunisierung bei deinem Pferd genau aussieht, hängt vom Alter, vom Impfstoff und vom bisherigen Impfstatus ab und legt dein Tierarzt fest.

West-Nil-Virus, das wachsende Thema

Das West-Nil-Virus ist die Impfung, die in den letzten Jahren am stärksten an Bedeutung gewonnen hat. Es wird von Stechmücken übertragen und kann bei Pferden das zentrale Nervensystem befallen. Bei einem Teil der infizierten, ungeimpften Pferde kommt es zu schweren neurologischen Verläufen, die tödlich enden oder bleibende Schäden hinterlassen können.

Das Virus breitet sich in Deutschland aus. Betroffen sind vor allem der Osten und Norden, unter anderem Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Hamburg. Nach zahlreichen Fällen in Niedersachsen im Herbst 2024 wurde die Impfempfehlung auf die gesamte norddeutsche Tiefebene ausgeweitet, und perspektivisch wird eine flächendeckende Impfung angestrebt. Die StIKo Vet empfiehlt die Impfung für Pferde in betroffenen Gebieten und deren Umgebung.

Wichtig ist der Zeitpunkt: Der Impfschutz sollte vor Beginn der Mückensaison stehen, also idealerweise die Grundimmunisierung bis etwa Ende Mai abgeschlossen sein. Ob dein Pferd betroffen ist, hängt von eurer Region ab, deshalb lohnt sich hier das Gespräch mit dem Tierarzt besonders.

Was bei Turnieren gilt

Wer mit seinem Pferd auf Turniere geht, muss sich an die Vorgaben der Leistungs-Prüfungs-Ordnung der FN halten, und die sind strenger als die allgemeinen Empfehlungen. Pflicht ist die Impfung gegen Influenza, in der Regel im Abstand von maximal sechs Monaten plus wenigen Tagen. Wer dieses Intervall überschreitet, muss vor dem nächsten Turnierstart neu grundimmunisieren.

Bei Herpes hat sich einiges hin und her bewegt. Nach dem schweren EHV-1-Ausbruch bei einem internationalen Turnier in Valencia 2021 führte die FN Anfang 2023 eine Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde ein. Diese Pflicht wurde jedoch im April 2024 wieder ausgesetzt. Aktuell ist die Herpes-Impfung für Turniere empfohlen, aber nicht generell vorgeschrieben. Einzelne Veranstalter können sie aber in ihrer Ausschreibung verlangen. Weil sich diese Regeln ändern können, gilt: Vor der Meldung immer die aktuelle LPO und die jeweilige Turnierausschreibung prüfen.

Neue Erreger, ruhig eingeordnet

Immer wieder tauchen Meldungen über neue Viren auf, zuletzt etwa über ein sogenanntes Shamonda-like-Virus, das 2026 bei einzelnen Pferden in der Schweiz und in Deutschland nachgewiesen wurde. Solche Nachrichten verunsichern verständlicherweise.

Hier hilft ein nüchterner Blick. Bei diesem Virus ist bislang nicht einmal gesichert, ob es die beobachteten Erkrankungen überhaupt verursacht hat, der bloße Nachweis beweist das noch nicht. Es wird von Mücken übertragen, und eine Impfung dagegen gibt es nicht. Facheinrichtungen wie das Friedrich-Loeffler-Institut beobachten die Lage, eine gesicherte Bewertung steht aber noch aus.

Für dich als Pferdebesitzer heißt das: aufmerksam bleiben, aber nicht in Panik verfallen. Der beste Schutz vor mückenübertragenen Erregern ist ohnehin ein guter Mückenschutz im Stall und auf der Weide, und bei allem, was neurologische Auffälligkeiten zeigt, gilt wie immer, frühzeitig den Tierarzt zu rufen. Wer die etablierten, empfohlenen Impfungen konsequent macht, hat die wichtigste Grundlage bereits gelegt.

Warum der Überblick oft verloren geht

Das eigentliche Problem beim Impfen ist selten die Frage, ob man impft, sondern der Überblick. Tetanus alle zwei bis drei Jahre, Influenza je nach Nutzung jährlich oder halbjährlich, West-Nil vor der Mückensaison, dazu die Turnierfristen. Diese unterschiedlichen Intervalle geraten leicht durcheinander, und eine überzogene Frist kann bedeuten, dass die Grundimmunisierung neu begonnen werden muss.

Genau hier lohnt es sich, alles an einem Ort zu haben.

Den Überblick behalten mit EquiDiary

In EquiDiary kannst du die Impftermine deines Pferds hinterlegen und dich rechtzeitig an die nächste fällige Impfung erinnern lassen, sodass keine Frist übersehen wird. Du kannst den Impfnachweis dokumentieren und hast den Verlauf jederzeit griffbereit, etwa fürs Turnier oder beim Tierarztwechsel. Und weil Impfungen ein fester Kostenpunkt sind, kannst du die dazugehörigen Rechnungen gleich in der Kostenübersicht ablegen und behältst so auch die Ausgaben im Blick. Auch andere Vorsorgethemen wie Wurmkur und Kotprobe lassen sich so mit Terminen und Erinnerungen an einem Ort festhalten.

So wird aus einem Thema mit vielen verschiedenen Fristen eine ruhige Routine, bei der nichts untergeht.

Zusammenfassung

Für jedes Pferd empfohlen sind die Core-Impfungen Tetanus, Influenza und Herpes. Tetanus wird alle zwei bis drei Jahre aufgefrischt, bei Influenza reicht für Freizeitpferde oft eine jährliche Impfung, während für Turnierpferde kürzere Pflichtintervalle gelten. Herpes empfiehlt die StIKo Vet für alle Pferde, geimpft wird in der Praxis vor allem bei viel Pferdekontakt. Je nach Region kommt die West-Nil-Impfung dazu, die sich in Deutschland immer weiter ausbreitet und vor der Mückensaison stehen sollte. Bei Turnieren ist Influenza Pflicht, die frühere Herpes-Pflicht wurde 2024 wieder ausgesetzt, hier gilt immer die aktuelle LPO und Ausschreibung. Neue Erreger wie das Shamonda-like-Virus sollte man aufmerksam verfolgen, aber nüchtern einordnen, denn vieles ist ungeklärt und impfen kann man dagegen nicht. Die konkrete Impfstrategie legst du immer mit deinem Tierarzt fest, und eine gute Dokumentation hilft dir, den Überblick über alle Fristen zu behalten.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitszeichen oder akuten Beschwerden deines Pferdes wende dich bitte an deinen Tierarzt.

Quellen (Stand September 2026): StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut, Leitlinie zur Impfung von Pferden, 5. Auflage 2025; Friedrich-Loeffler-Institut, Informationen zu West-Nil-Virus und Shamonda-Virus; Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), Impfvorgaben LPO sowie Aussetzung der EHV-1-Impfpflicht 2024; vetline, Impfungen beim Pferd und Turnier-Impfpflicht; Thieme Tiermedizin, aktualisierte Impfleitlinien 2025. Alle Angaben sind allgemeine Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Beratung.

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